Archiv der Kategorie 'Essstörung'

worth reading III

* Zuerst: Der versprochene zweite Teil von ‚Dinge, die du nicht mehr sagen solltest, außer du hasst dicke Menschen‘.

* Dann, gerade gefunden:

Letztendlich glaube ich inzwischen, dass es bei diesem ganzen Vergleichen, bei diesen ganzen Bemühungen, krasser zu sein als die Anderen vor allem um eins geht: Die Anerkennung des eigenen Schmerzes. Die Anerkennung von den Verletzungen, die nichts mit ge-störtem Essverhalten zu tun haben. Die Anerkennung der inneren Wunden, die so scheiße tief gehen, dass nichts sie ausreichend zeigen kann. Nichts. Nie.

Wow. Vielen, vielen Dank für diesen Post.

* Warum Zunehmen nötig ist, um Magersucht zu bekämpfen und was Hungern mit dem Gehirn und der Psyche macht. Auf englisch hier.

Mein Essen und ich.

Ich habe mir etwas gekocht. Das erste Mal seit Monaten, wenn nicht seit einem Jahr. Einfach nur für mich alleine. Nicht für Besuch oder für irgendein soziales Event, sondern einfach nur für mich. Es ist sogar gesund und ich glaube, die Portion ist in etwa so groß, dass sie als ‚normal‘ durchgeht. Ich muss unglaublich gesund ausgehen haben beim kochen. Ich habe sogar über verschiedene Gewürze nachgedacht. Ich wollte, dass das fertige Essen schmeckt.

Danach sitze ich alleine am Tisch. Niemand außer mir ist in der Wohnung und alle zwei Sekunden hoffe ich, dass das so bleibt. Ich schließe die Küchentür. So hab ich ein paar Sekunden mehr, falls jemensch nach Hause kommt. Ein paar Sekunden für was eigentlich? Um mich auf dem Balkon zu verstecken? Um das Essen auf dem Balkon zu verstecken? Ich weiß es nicht.

Jetzt sitzen wir uns also gegenüber. Der Teller und ich. Nur wir beide. (mehr…)

worth reading I

Ich hab lange nichts von mir hören lassen. Ich hoffe, das ändert sich bald wieder. So long, hier ein paar sehr empfehlenswerte Artikel:

* Über fat-shaming und unerwünschtes Kommentieren des Essverhaltens – hier.

* Mehr zum Thema Kommentare über das Essverhalten hier. [englisch]

* Aus dem eigenen Leben – die eigenen Gedanken über den eigenen Körper:

Klare Position, dass nicht der Körper das Problem ist, sondern die Gedanken, die man sich darum macht, dass er das Problem sei. Ich fürchte, in dem ich hier das Gegenteil mache, den Schaden anzurichten, den ich in solchen Gesprächen verhindern will. But I struggle with this.

Nachzulesen hier. [In dem Artikel wird an einer Stelle ein Gewicht in kg genannt.]

* Noch mehr Gedanken über den eigenen Körper und ‚Schönheit‘:

Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und fühle mich schön. Manchmal kaufe ich mir Dinge, weil ich mich darin schön fühle. Aber wenn ich mich dann mit dem vergleiche, was uns von außen als “schön” verkauft wird, dann bin ich objektiv überhaupt nicht schön.

Zu lesen hier.

* Selbst oft gedacht – aber nie verschriftlicht: Der Blick, mit dem Frauen* Frauen* abchecken. Ich werde ihn auch nicht los und mag mich nicht dafür.

* Essgestört Familienfeste und ähnliche Fressgelage überstehen? Ich wünschte, ich hätte diesen und diesen Link eher gefunden. Tipps für Betroffene und supporter_innen. [englisch]

‚Magersüchtig‘ ist keine Körperform!

Ich erlebe es immer wieder: Ich bin in Gesellschaft irgendwo unterwegs, eine sehr dünne Person (meistens eine Frau*) kommt vorbei, meine Gesellschaft versucht, die Person nicht anzustarren und flüstert: „Krass, ist die magersüchtig!“.
Jetzt dazu alles, was ich dir, werte kommentierende Person, gerne an den Kopf werfen wollen würde, aber mich nie traue:
1. Who the fuck are you to judge? Wer gibt dir das Recht, ungefragt den Körper anderer Personen zu kommentieren? Ich hab in den letzten Jahren SO viele Kommentare bekommen, die ich nicht haben wollte. Von Besorgnis über ‚das sieht ja jetzt viel besser aus‘ über ‚wäre schon schöner, wenn du noch mehr abnehmen würdest‘ bis zu KZ-Vergleichen (das ist leider kein Scherz). Dabei war es meistens ziemlich egal, wie ich gerade ausgesehen habe. Mittlerweile bin ich so sensibilisiert darauf, dass ich mir Mühe geben muss, nicht loszuweinen, wenn eine Person auch nur IRGENDETWAS sagt, was nach ‚ich habe bemerkt, dass du einen Körper hast‘ klingt.
2. Magersucht ist einfach keine Körperform. Magersucht ist: Selbsthass, ist Bestrafung und ist aktive Selbstzerstörung. Magersucht ist nicht: sichtbare Knochen, dünne Beine und Arme oder ein ‚Model-Körper‘.
3. Gewicht ist ein Diagnose-Kriterium für Magersucht. Ist der BMI unter einem bestimmten Wert, kann eine Person als anorektisch diagnostiziert werden. Aber auch hier: Magersucht ist nicht Untergewicht. Untergewicht ist Untergewicht. Magersucht sind Verhaltensweisen und Gedanken. Magersucht heißt, 24 Stunden am Tag mit der Person verbringen zu müssen, die du auf dieser Welt am wenigsten magst. Magersucht heißt, sich selbst zu verbieten. Hatte eine Person ein hohes Ausgangsgewicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese lange bevor der Diagnose-BMI erreicht wird, magersüchtig ist. War eine Person unter dem Diagnose-BMI und hat zugenommen, ist sie damit nicht auf wundersame Art und Weise geheilt. Hör auf, sehen zu wollen, wie es Menschen geht. Vor allem, indem du nur auf ihr Gewicht guckst. Der Krieg im Kopf wird durch die Waage nicht angezeigt.
4. Du weißt nie, wen du verletzt. Ich verstehe nicht, was dich dazu veranlasst, in meiner Gegenwart das Äußere anderer Menschen zu beurteilen. Aber ich weiß, dass es mich trifft. Im Moment ist mein BMI zu hoch, um offiziell anorektisch zu sein. Nennst du eine Person in meiner Gegenwart so, passiert bei mir Folgendes: Ich werde neidisch, dass du die Person siehst, aber nicht mich. Ich fühle mich fetter denn je. Ich glaube, nicht mal eine Essstörung richtig machen zu können und sogar bei dieser zu versagen, weil ich zu viel wiege. Ich vergleiche mich. Ich muss konstant fühlen, ob meine Knochen noch alle da sind. Ich hasse mich dafür, nicht magersüchtig auszusehen und mich nicht genug zu hassen.

Also, bitte bitte bitte: Überlege dir, warum du das Bedürfnis hast, den Körper von Menschen zu kommentieren. Setz nicht ‚magersüchtig‘ mit ‚dünn‘ gleich. Frag dich, warum du Körper in gut und schlecht einteilen möchtest. Egal, was bei dir ‚gut‘ und was bei dir ’schlecht‘ ist. You never know, who you gonna hurt.

Veganismus und Essstörung

Ich lebe seit fünf Jahren vegan. Seit acht Jahren vegetarisch. In dieser Zeit habe ich natürlich auch einiges über Veganismus gelesen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei dieser Artikel. Es geht um den Versuch einer Verbindung von essgestörtem und veganem Verhalten von Frauen*. Sowohl im Originalartikel als auch in diesem Post soll es dabei nicht darum gehen, dass Veganismus potentiell eine essgestörte Lebensweise ist. Auch nicht darum, dass Veganismus und Essstörung irgendwie korreliert sind/sein müssen.
Ich stelle allerdings fest, dass bei mir sehr wohl eine Verbindung von beidem besteht. Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Als ich begonnen habe, vegan zu leben, habe ich das eine Zeit lang als eine enorme äußere Reglementierung und als Einschränkung empfunden. Essen war ganz leicht in ‚gut/erlaubt‘ und ’schlecht/verboten‘ einzuteilen. Aus meiner damals neu-veganen Perspektive hat die Kategorie ’schlecht/verboten‘ die Kategorie ‚gut/erlaubt‘ quantitativ krass überwogen. Das lag einfach daran, dass ich sehr gerne Käse esse und demnach vor dem Beginn der veganen Lebensweise mich fast immer von tierischen/vegetarischen Produkten ernährt habe. Außerdem hatte ich einfach keine Veganer_innen in meinem sozialen Umfeld, an denen ich mich hätte orientieren können. Das wiederum hatte zur Folge, dass ich einfach kein veganes Essen kannte. Rückblickend stellt sich mir dabei die Frage, aus welchen Gründen ich denn dann vegan geworden bin, wenn ich es doch als persönliche Reglementierung und Disziplinierung empfunden habe. Erst mit der Zeit ging mir auf, dass es mehr im Leben vegan lebender Menschen geben muss, als Marmeladenbrot und Bananen. Als ich vegane Möglichkeiten immer mehr für mich entdeckte, gab es einen Wandel in der Verteilung von ‚gut/erlaubt‘ und ’schlecht/verboten‘. Die guten/erlaubten Optionen wurden immer mehr und die schlechten/verbotenen dadurch auf einen der hinteren Plätze in meinem Gedächtnis verschoben. Ich hörte auf, unveganes Essen zu vermissen und fühlte mich nicht mehr eingeschränkt. (mehr…)