Archiv der Kategorie 'Körper'

worth reading III

* Zuerst: Der versprochene zweite Teil von ‚Dinge, die du nicht mehr sagen solltest, außer du hasst dicke Menschen‘.

* Dann, gerade gefunden:

Letztendlich glaube ich inzwischen, dass es bei diesem ganzen Vergleichen, bei diesen ganzen Bemühungen, krasser zu sein als die Anderen vor allem um eins geht: Die Anerkennung des eigenen Schmerzes. Die Anerkennung von den Verletzungen, die nichts mit ge-störtem Essverhalten zu tun haben. Die Anerkennung der inneren Wunden, die so scheiße tief gehen, dass nichts sie ausreichend zeigen kann. Nichts. Nie.

Wow. Vielen, vielen Dank für diesen Post.

* Warum Zunehmen nötig ist, um Magersucht zu bekämpfen und was Hungern mit dem Gehirn und der Psyche macht. Auf englisch hier.

worth reading II

Dinge, die du nicht mehr sagen solltest, außer du hasst dicke Menschen. Ja. JA. Am Besten einmal täglich lesen. Oder vorm Kamin deinen Freund_innen vorlesen. Großartig. Endlich. (Teil 2 davon folgt)
Das ist mir doch glatt einen Einzelpost wert. In diesem Sinne: Hört auf, Körper in gut und schlecht einzuteilen. Gilt übrigens sowohl für normschöne als auch für nicht normschöne Körper.

worth reading I

Ich hab lange nichts von mir hören lassen. Ich hoffe, das ändert sich bald wieder. So long, hier ein paar sehr empfehlenswerte Artikel:

* Über fat-shaming und unerwünschtes Kommentieren des Essverhaltens – hier.

* Mehr zum Thema Kommentare über das Essverhalten hier. [englisch]

* Aus dem eigenen Leben – die eigenen Gedanken über den eigenen Körper:

Klare Position, dass nicht der Körper das Problem ist, sondern die Gedanken, die man sich darum macht, dass er das Problem sei. Ich fürchte, in dem ich hier das Gegenteil mache, den Schaden anzurichten, den ich in solchen Gesprächen verhindern will. But I struggle with this.

Nachzulesen hier. [In dem Artikel wird an einer Stelle ein Gewicht in kg genannt.]

* Noch mehr Gedanken über den eigenen Körper und ‚Schönheit‘:

Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und fühle mich schön. Manchmal kaufe ich mir Dinge, weil ich mich darin schön fühle. Aber wenn ich mich dann mit dem vergleiche, was uns von außen als “schön” verkauft wird, dann bin ich objektiv überhaupt nicht schön.

Zu lesen hier.

* Selbst oft gedacht – aber nie verschriftlicht: Der Blick, mit dem Frauen* Frauen* abchecken. Ich werde ihn auch nicht los und mag mich nicht dafür.

* Essgestört Familienfeste und ähnliche Fressgelage überstehen? Ich wünschte, ich hätte diesen und diesen Link eher gefunden. Tipps für Betroffene und supporter_innen. [englisch]

‚Magersüchtig‘ ist keine Körperform!

Ich erlebe es immer wieder: Ich bin in Gesellschaft irgendwo unterwegs, eine sehr dünne Person (meistens eine Frau*) kommt vorbei, meine Gesellschaft versucht, die Person nicht anzustarren und flüstert: „Krass, ist die magersüchtig!“.
Jetzt dazu alles, was ich dir, werte kommentierende Person, gerne an den Kopf werfen wollen würde, aber mich nie traue:
1. Who the fuck are you to judge? Wer gibt dir das Recht, ungefragt den Körper anderer Personen zu kommentieren? Ich hab in den letzten Jahren SO viele Kommentare bekommen, die ich nicht haben wollte. Von Besorgnis über ‚das sieht ja jetzt viel besser aus‘ über ‚wäre schon schöner, wenn du noch mehr abnehmen würdest‘ bis zu KZ-Vergleichen (das ist leider kein Scherz). Dabei war es meistens ziemlich egal, wie ich gerade ausgesehen habe. Mittlerweile bin ich so sensibilisiert darauf, dass ich mir Mühe geben muss, nicht loszuweinen, wenn eine Person auch nur IRGENDETWAS sagt, was nach ‚ich habe bemerkt, dass du einen Körper hast‘ klingt.
2. Magersucht ist einfach keine Körperform. Magersucht ist: Selbsthass, ist Bestrafung und ist aktive Selbstzerstörung. Magersucht ist nicht: sichtbare Knochen, dünne Beine und Arme oder ein ‚Model-Körper‘.
3. Gewicht ist ein Diagnose-Kriterium für Magersucht. Ist der BMI unter einem bestimmten Wert, kann eine Person als anorektisch diagnostiziert werden. Aber auch hier: Magersucht ist nicht Untergewicht. Untergewicht ist Untergewicht. Magersucht sind Verhaltensweisen und Gedanken. Magersucht heißt, 24 Stunden am Tag mit der Person verbringen zu müssen, die du auf dieser Welt am wenigsten magst. Magersucht heißt, sich selbst zu verbieten. Hatte eine Person ein hohes Ausgangsgewicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese lange bevor der Diagnose-BMI erreicht wird, magersüchtig ist. War eine Person unter dem Diagnose-BMI und hat zugenommen, ist sie damit nicht auf wundersame Art und Weise geheilt. Hör auf, sehen zu wollen, wie es Menschen geht. Vor allem, indem du nur auf ihr Gewicht guckst. Der Krieg im Kopf wird durch die Waage nicht angezeigt.
4. Du weißt nie, wen du verletzt. Ich verstehe nicht, was dich dazu veranlasst, in meiner Gegenwart das Äußere anderer Menschen zu beurteilen. Aber ich weiß, dass es mich trifft. Im Moment ist mein BMI zu hoch, um offiziell anorektisch zu sein. Nennst du eine Person in meiner Gegenwart so, passiert bei mir Folgendes: Ich werde neidisch, dass du die Person siehst, aber nicht mich. Ich fühle mich fetter denn je. Ich glaube, nicht mal eine Essstörung richtig machen zu können und sogar bei dieser zu versagen, weil ich zu viel wiege. Ich vergleiche mich. Ich muss konstant fühlen, ob meine Knochen noch alle da sind. Ich hasse mich dafür, nicht magersüchtig auszusehen und mich nicht genug zu hassen.

Also, bitte bitte bitte: Überlege dir, warum du das Bedürfnis hast, den Körper von Menschen zu kommentieren. Setz nicht ‚magersüchtig‘ mit ‚dünn‘ gleich. Frag dich, warum du Körper in gut und schlecht einteilen möchtest. Egal, was bei dir ‚gut‘ und was bei dir ’schlecht‘ ist. You never know, who you gonna hurt.

Über den Wert.

Nachdem ich mich einige Zeit mit Body Positivity auseinander gesetzt habe (natürlich ohne für mich nennenswerten Erfolg), musste ich über Wert nachdenken. Den Wert von Körpern. Den Wert von Essen.

Was ist Wert? Jaja, Marx und so. Tauschwert und Gebrauchswert, Gebrauchswert ungleich Tauschwert und so weiter. Da ist natürlich was dran. Körper haben Wert.
Und damit meine ich nicht ‚ein gesunder Körper ist viel Wert‘ oder Ähnliches. Damit meine ich die neoliberale Betrachtungsweise von Körpern. Leistung muss sich wieder lohnen. Dein Körper gehört dir, er ist Gegenstand deiner Leistung. Leistung ist Schönheit und Leistung ist Arbeit. Die Arbeit im Fitnessstudio, die Arbeit an der Attraktivität, die Arbeit an der Gesundheit. Wer’s übertreibt zählt dazu noch die Arbeit, sich aktiv verhungern zu lassen. Wie ich zum Beispiel. Oder phasenweise die Arbeit, sich nicht aktiv durch Verhungern zu töten. Nein, ein Körper ist nichts natürlich Gegebenes. (D)Ein Körper ist gesellschaftlich. Er darf nur nicht so aussehen. Es soll schon natürlich aussehen, die ganze Jugendlichkeit, Schlankheit und Schönheit. Aber das ist es nicht. Die Formen deines Körpers sind synonym zu deinen Charaktereigenschaften. Schlanksein ist Aktivität ist Leistung ist nicht Faulheit. Dicksein ist Inaktivität ist keine Leistung ist Faulheit. Deswegen gilt in der neoliberalen Gesellschaft dünn als schön/richtig und dick als hässlich/falsch. Bin ich also einfach nur überangepasst? Bin ich einfach nur zu sehr auf Leistung und Erfolg trainiert? Unabstreitbar, dass ich viel zu viel Scheiße sehr tief in mich reinsozialisiert bekommen habe. Das werde ich in meinem Leben nicht mehr los. Ich kann nur immer mehr versuchen, aufzudecken, was ich an internalisierten gesellschaftlichen Normen in meinem Kopf und meinem Handeln so wiederfinde. Und mich dann fragen, ob das denn sein muss.

Was ist Wert, wenn es um Essstörungen geht? Wenn es um Körper und Feminismus geht? Primär sind für mich an dieser Stelle zwei ‚Werte‘. Der Wert eines dünnen Körpers vs. eines dicken Körpers und der Wert von mir, meinen Körper am Leben zu erhalten. Aber der Reihe nach. (mehr…)