Archiv der Kategorie 'politische Organisierung'

Riots and Diets?

Kann das funktionieren? Mit ‚riots‘ meine ich nicht unbedingt offene Straßenschlachten und brennende Barrikaden (auch wenn das eine gewisse Romantik für sich hat), sondern aktive Politik. Auf Plena sitzen, Diskussionen, die Organisation von Veranstaltungen, auf Camps fahren und so weiter und so fort. Mit Essstörung.

Pragmatisch betrachtet gibt’s da erstmal ganz simple Probleme:
1. Auf fast jedem Plenum steht irgendwie Essen auf dem Tisch. Im besten Fall ist es mir egal, im Zweifelfall rumpelt mein Magen munter drauf los und ich habe Angst, dass mein Magenknurren bemerkt wird. Und im schlimmsten Fall bin ich fest davon überzeugt, dass mir doch alle meinen Hunger ansehen müssten. Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist meine Konzentration enorm hinüber, sobald Essen auf dem Tisch steht. Einfach was nehmen? Manchmal, ja. Dann aber nicht wegen dem Hunger, sondern damit Menschen denken, dass ich esse. Meistens nein. Meistens versuchen, nicht drüber nachzudenken und bei dem Versuch feststellen, dass ich die letzten fünf Diskussionsargumente verpasst hab.
2. Körperlich anstrengende Aktivitäten (Demos, Aufbau für eine Veranstaltung…). Tja. Kreislauf. Sehr tagesformabhängig, aber hat durchaus schon für besorgte Blicke gesorgt.
3. Essen als sozialer Faktor. Nicht nur in der Plenumssituation, auch sonst. Klar will mensch als politischer Zusammenhang auch mal nette Sachen miteinander unternehmen. Und soziale Aktivitäten sind überdurchschnittlich oft mit Essen verbunden. Oder ist das nur in meinem Freund_innenkreis so? Pizza essen gehen, zusammen kochen, auf ein Eis treffen, zusammen in der VoKü hängen, Kuchen auf dem Straßenfest verkaufen, damit Kohle rankommt… Sorgt bei mir für tagelange, panikartige Ausnahmezustände im Vorfeld. Womit wir wieder bei Punkt 1 wären.

Das sind allerdings tatsächlich nur die rein pragmatischen Probleme. Und die treten natürlich nicht nur in der politischen Organisierung, sondern generell in meinem Alltag auf. Viel schwerwiegender sind die strukturellen Geschichten, die sich durch eine liebevoll gepflegte (ja, das war sarkastisch) Essstörung entstehen. (mehr…)