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Veganismus und Essstörung

Ich lebe seit fünf Jahren vegan. Seit acht Jahren vegetarisch. In dieser Zeit habe ich natürlich auch einiges über Veganismus gelesen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei dieser Artikel. Es geht um den Versuch einer Verbindung von essgestörtem und veganem Verhalten von Frauen*. Sowohl im Originalartikel als auch in diesem Post soll es dabei nicht darum gehen, dass Veganismus potentiell eine essgestörte Lebensweise ist. Auch nicht darum, dass Veganismus und Essstörung irgendwie korreliert sind/sein müssen.
Ich stelle allerdings fest, dass bei mir sehr wohl eine Verbindung von beidem besteht. Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Als ich begonnen habe, vegan zu leben, habe ich das eine Zeit lang als eine enorme äußere Reglementierung und als Einschränkung empfunden. Essen war ganz leicht in ‚gut/erlaubt‘ und ’schlecht/verboten‘ einzuteilen. Aus meiner damals neu-veganen Perspektive hat die Kategorie ’schlecht/verboten‘ die Kategorie ‚gut/erlaubt‘ quantitativ krass überwogen. Das lag einfach daran, dass ich sehr gerne Käse esse und demnach vor dem Beginn der veganen Lebensweise mich fast immer von tierischen/vegetarischen Produkten ernährt habe. Außerdem hatte ich einfach keine Veganer_innen in meinem sozialen Umfeld, an denen ich mich hätte orientieren können. Das wiederum hatte zur Folge, dass ich einfach kein veganes Essen kannte. Rückblickend stellt sich mir dabei die Frage, aus welchen Gründen ich denn dann vegan geworden bin, wenn ich es doch als persönliche Reglementierung und Disziplinierung empfunden habe. Erst mit der Zeit ging mir auf, dass es mehr im Leben vegan lebender Menschen geben muss, als Marmeladenbrot und Bananen. Als ich vegane Möglichkeiten immer mehr für mich entdeckte, gab es einen Wandel in der Verteilung von ‚gut/erlaubt‘ und ’schlecht/verboten‘. Die guten/erlaubten Optionen wurden immer mehr und die schlechten/verbotenen dadurch auf einen der hinteren Plätze in meinem Gedächtnis verschoben. Ich hörte auf, unveganes Essen zu vermissen und fühlte mich nicht mehr eingeschränkt. (mehr…)